Ausstellung und Referat zum Thema Euthanasie

20. Januar 2012 von  
unter: News

Auch in diesem Jahr richten die Stadt Idar-Oberstein und Schalom e. V. gemeinsam eine Gedenkveranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus aus. Im Rahmen dieser Veranstaltung, die am Freitag, 27. Januar 2012, um 19.30 Uhr in der Göttenbach-Aula stattfindet, wird unter anderem die Ausstellung „In Memoriam“ eröffnet.

Darin beleuchtet Michael von Cranach die Rolle der Psychiatrie bei nationalsozialistischen Euthanasiemaßnahmen. Außerdem findet eine Lesung der Autorin Daniela Martin statt. In Ergänzung zur Gedenkveranstaltung hält Anne Sinclair am Mittwoch, 1. Februar 2012, um 19 Uhr in der Göttenbach-Aula ein Referat zum Thema „Euthanasiemaßnahmen in unserer Region“.

Die Gedenkveranstaltung am 27. Januar wird eingeleitet durch Grußworte von Oberbürgermeister Bruno Zimmer und der Schalom-Vorsitzenden Jutta Walber. Musikalisch umrahmt wird sie von Cosima und Tristan Logiewa. Im Rahmen der Veranstaltung erfolgt auch eine Lesung der Kölner Journalistin Daniela Martin. In ihrem Buch „…die Blumen haben fein geschmeckt“ schildert sie die Biografie ihrer Urgroßmutter Anna L., die am 5. Juli 1940 in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein der nationalsozialistischen „Euthanasie“ zum Oper gefallen ist.

Anschließend führt der Psychiater und Psychotherapeut Prof. Dr. Michael von Cranach in seine Ausstellung „In Memoriam“ ein. Diese leistet eine Aufarbeitung der Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus. Zwischen 1939 und 1945 wurden bis zu 200.000 psychisch kranke oder geistig behinderte Menschen Opfer der sogenannten „Vernichtung lebensunwerten Lebens“. An der Initiative, Rechtfertigung, Planung und Durchführung dieser Euthanasiemaßnahmen waren Psychiater maßgeblich beteiligt. Die Ausstellung wird in Idar-Oberstein durch Zeittafeln, Namenslisten und Dokumente der Kreuznacher Diakonie ergänzt.

Da gerade beim Thema „Euthanasie“ eine große regionale Betroffenheit besteht, wird die Gedenkveranstaltung durch einen entsprechenden Themenabend am 1. Februar ergänzt. Aus dem Niederreidenbacher Hof und der Asbacher Hütte, die damals bereits der Kreuznacher Diakonie angehörten, wurden während der Nazi-Herrschaft weit mehr als 200 Menschen deportiert. Nur drei von ihnen kamen mit dem Leben davon. Im Gegensatz zu manchen anderen Einrichtungen hat die Kreuznacher Diakonie bereits relativ früh damit begonnen, diesen Teil ihrer Geschichte aufzuarbeiten. Mahnmale in Bad Kreuznach und in der Asbacher Hütte erinnern an die Opfer. Gestützt auf das Material der Diakonie hat die stellvertretende Schalom-Vorsitzende Anne Sinclair ein Referat erarbeitet, das einen Einblick in die Euthanasiemaßnahmen in deren Einrichtungen gewährt. Der Vortrag ist mit Bildern aus dem Bestand der Diakonie unterlegt.

Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung durch Andreas Müller. Der gebürtige Niederwörresbacher war in seiner Jugend als Musiker in der hiesigen Folk-Szene aktiv. Nach dem Abitur am Göttenbach-Gymnasium absolvierte er ein Studium zum Musiklehrer und ist heute an der Michael-Schule in Freiburg tätig. Die Verbundenheit Müllers zu seiner Heimat zeigt sich darin, dass er seit 2008 im Hunsrücker Dialekt singt. Zwei seiner Lieder, die er während der Veranstaltung vorträgt, befassen sich mit der Zeit des Nationalsozialismus hier vor Ort.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Die Ausstellung in der Göttenbach-Aula kann von Montag, 30. Januar, bis Freitag, 3. Februar, besichtigt werden und zwar Montag bis Mittwoch von 7 bis 17 Uhr, Donnerstag von 7 bis 18.30 Uhr und Freitag von 7 bis 12 Uhr.

(Pressemitteilung Stadtverwaltung IO)

Kommentar deaktiviert.